Ein Hotel das es nicht gibt

27. Juli 2018. Nach einer Nacht in der Holzhütte fühle ich mich sehr entspannt. Ich habe wunderbar geschlafen. Um halb sechs ist Weckzeit, zumindest für mich. Während alle anderen in einem riesigen See in der Nähe baden können, habe ich in der Hütte mein eigenes Badeerlebnis. Da es keine Dusche für mich gibt, zerrt Alexander mich kurzerhand mit dem Dusch-Rollstuhl über meine kurzen Rampen auf den Balkon und übergießt mich eimerweise mit Wasser. Ich hatte wohl den Mund etwas voll genommen, als ich von meinen früheren Segelerlebnissen erzählte. 

 

So erfrischt ging es an den Frühstückstisch. Während meine Crew im Anschluss unsere Sachen wieder einpackt um weiter fahren zu können, male ich mit meinem Rollstuhl ein paar Donuts in den Sand. Wer sagt, dass „Burnout“ nur mit Motorrädern funktioniert? 

 

Dann machen wir uns wieder auf den Weg. Eine Übernachtung vor Archangelsk ist noch geplant und ich freue mich schon auf ein behindertengerechtes Zimmer in einem neuen Hotel mit besonders toller Ausstattung - und sogar richtiger Dusche.

 

Dazu müssen wir allerdings die top asphaltierte Straße verlassen und steuern auf eine Buckelpiste, auf der jeder Motocrossfahrer seine wahre Freude hätte. Nur für unser Gefährt ist es weniger lustig. 

Wer als Rollstuhlfahrer so holprige Straßen fährt, sollte unbedingt einen luftgefederten Sitz benutzen. Allerdings muss dieser auch eine seitliche Führung im Bereich des Oberkörpers haben. Übrigens, für den seitlichen Einstieg in den Bus habe ich eine transportable Rampe besorgt, die drei Meter lang und 80 Zentimeter breit ist. Sie trägt 400 Kilogramm und wird dann immer an die Seitentür angelegt. Das hat sich sehr bewährt! 

 

Zurück zu unserer Fahrt: Mittlerweile sind wir auf dem Weg durch einen Wald und stehen auf einmal vor einem Fluss, über den laut Karte eigentlich eine Brücke führen sollte. Die ist nur nicht mehr da. Dafür aber eine Art Furt, den wir nach zögerlichem Rantasten tatsächlich alle erfolgreich durchqueren. Wir sind alle erleichtert und sogar die vom Regen aufgeweichte und schlammige „Straße“, die wir noch fahren müssen, verliert ihren Schrecken. Doch der Tag hat noch eine Überraschung für uns in petto. 

 

Am eigentlichen Zielort erwartet uns kein Hotel, sondern eine Baustelle. Nach kurzer Recherche und Checken der Emails war klar, dass wir weiterfahren müssen.Also alle wieder in die Autos und zu später Stunde direkt auf nach Archangelsk ans Weiße Meer. Die verbleibenden 300 km legen wir auf relativ guten Straßen zurück. Jedenfalls habe ich geschlafen und wache vor einem Hotel auf, in dem sogar schon Putin genächtigt hat.